The Years Go By Like Broken Records – Versuch einer Best-of 2020

Best of 2020

2020 war ja das Jahr, das uns allen in die Fresse getreten hat. Und um das ganze jetzt noch auf die Spitze zu treiben und das Leid zu potenzieren, folgt hier nun meine Best-of 2020.

Es gibt nur Tracks, keine Alben, weil ich zwar mittlerweile durchaus Alben kaufe, sie aber nicht höre. Also zumindest nicht komplett. Das geht alles mehr oder weniger in Playlisten und wird dann durchgeshuffelt.

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Only One Night – Best-of Italo Disco

Na? Eurodance verarbeitet? Dann lehnen Sie sich zurück und tauchen sie ein in eine Welt voller Sommernächte, Grillenzirpen und schwüler Romantik. Ach, und die Welt von sinnlosen Texten, vorgetragen in gebrochenem Englisch.

Denken Sie zurück an die Zeit, als man aus dem Italienurlaub nach Hause kam und noch die schüchternen Küsse von Maurizio oder Valentina auf den Lippen spürte. Und man würde sich schreiben, ganz bestimmt, und für immer zusammen sein.

That said: ARE YOU READY FOR THE SOUND OF ITALO DISCO?

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Tekkno ist cool – Eine Best-of Eurodance

Eine Top-25 Eurodance also. Und während man sich selbst schon unbedarft ”Challenge accepted!” rufen hört, beginnen im selben Moment schon erste Zweifel zu nagen.

Da wäre zunächst mal die Frage der Definition von ”Eurodance”. Geht man da nach dem klassischen Kakerlaken-Test? Wenn man das Licht anmacht und ein Rapper und zwei Sängerinnendarstellerinnen laufen weg, dann ist es Eurodance?

Oder macht man Tür und Tor für eine weiter gefasste Definition auf, wo man es dann auf einmal mit so Acts wie FELIX oder U.S.U.R.A. zu tun hat..!? Es ist halt einfacher von einem Künstler die gesamte Diskografie durchzuhören, als ein komplettes Genre, so luftig es auch gefasst ist.

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So lang’ man Träume noch leben kann – Best-of Münchener Freiheit

Nun denn liebe Freunde. Dann packen wir mal ein wirklich heisses Eisen an: die Münchener Freiheit. Aber, Hände über der Bettdecke lassen, auch wenn der schöne Aron dabei ist, der Rauschegoldengel aus Schwäbisch Gmünd.

Vielleicht kennt der ein oder andere diese famose deutsche Pop-Kapelle nur von ihren grossen Hits. Da hoffe ich einfach mal, dass diese Top-25 die ein oder andere aug- und öhrchen-öffnende Überraschung parat hält.

Zur Info: Alles, was nach dem Ausstieg von Stefan Zauner rauskam, existiert für mich nicht und findet hier daher keinerlei Beachtung.

That said: ARE YOU READY FOR THE SOUND OF MÜNCHENER FREIHEIT???

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I’ll Never Be (Maria Magdalena) – Best-of Sandra

Okay, nützt ja nichts das noch länger aufzuschieben. Kommen wir nun also zu Sandra Ann Lauer, Sandra Lauer Cretu, oder wie wir Liebhaber sie kennen: SANDRA.

Das musikalische Werk von Sandra hat für mich ja deutliche Paralellen zu Star Wars.
Die ersten drei Alben sind Kanon. Dann kamen halb-kompetente Cash-In Versuche, die ein oder andere Merkwürdigkeit auf dem Level der Ewok-Filme und zu guter Letzt versuchte man auf die Original-Trilogie zu rekurrieren und an alte Erfolge anzuschliessen.

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Always Hardcore – Die besten Scooter Tracks

Lang, lang war es angekündigt. Viele haben gehofft, es wäre nur einer meiner blöden Scherze. Aber hier nun endlich die 25 besten Scooter Tracks. Auf das trockene Mäulchen wieder wässrig werden.

Und ja, ich habe ALLE Scooter Alben und Singles inkl. B-Seiten und Remixe durchgehört. Sogar die Best-Of Compilations. Irgendwie muss der Selbsthass ja kanalisiert werden.

ARE YOU READY FOR THE SOUND OF SCOOTER???

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I Kissed a 2018 and I Liked It

Question: Darf man den Versuch starten die Vergänglichkeit einzufangen? In einer Liste runterschreiben? Answer: Yeah, whatever. Warum also nicht mal ein Lebenszeichen hier. Die besten Alben des Jahres, as I see them.

Deutlich poppiger, als ich bei Einzeltracks unterwegs bin. Deuuuutlich poppiger. Dafür aber auch mit wenig bis kaum Hardtrance. Last Train to Hardtrancentral…

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Die Glocken von Georg Melches

glocke

Es begab sich aber zu jener Zeit, also kurz vor Weihnachten, dass es in mir vibrierte. Oder besser gesagt an mir. Denn Dennis rief an. Nur kannte ich Dennis gar nicht. Muss man vielleicht dazu sagen. Ich war irgendwo auf dem Real Parkplatz, kurz nachdem ich ein TSG Hoffenheim Trikot beflocken hatte lassen (Aber das soll eine andere Geschichte sein), als mich besagter Anruf erreichte.

Am anderen Ende ein junger Mann, der sich mit den Worten “Hallo, ich bin der Dennis” vorstellt.

Ach, der Dennis… was denn für ein Dennis..!?

Einfach nur Dennis. Der Nachname wäre zu kompliziert. Mein Einwand, dass ich ausser Einradfahren erst mal gar nichts kompliziert finde wird von einem vorbeifahrenden SUV geschluckt…

Er wäre der neue Trainer der U11 von Rot-Weiß Essen und er würde mich, oder viel lieber sogar noch den Sohn zum Sichtungstraining einladen. Er habe seinen Namen „auf dem Zettel”.

Die Tradition des Zettels. In Essen lebt sie dank Jens Lehmann und dem Dennis immer noch weiter…

Nun, Wünsche darf ja jeder erst mal gerne haben. Ich hake dann aber noch mal ein wenig nach, wo der gute Mann denn meine Nummer her habe, weil – der hat ja bestimmt nicht gerade das Telefonbuch aufgeschlagen und in der Rubrik “Bitte sprechen sie mit mir über Jugendfußballwahnsinn” meinen Namen gefunden.

Ach ja, klar. Ist ja ne berechtigte Frage. Er hat meinen Namen vom Ömer.

Vom Ömer.

Von wem auch sonst.

Der Ömer, dass muss man wissen, ist der Jugendfußballpate von Gelsenkirchen. Der große Strippenzieher. Warum bin ich nicht früher zu ihm gekommen…

Der Ömer begleitet mich, seit ich Fußballspielen lasse. Damals in Ückendorf, als wir kamen, war er schon da. Er ging mit uns nach Wattenscheid, zerstritt sich dort mit seinem eigenen Bruder, scheiterte bei dem Versuch unseren Trainer abzusägen, ging dann nach Schalke, aber irgendwie dann doch nicht und hat sich in den letzten Jahren in Wanne-Eickel ein eigenes Imperium aufgebaut. Wie die dicke Spinne in ihrem Netz. Dabei hat er doch so abgenommen.

Auf den Zettel wurde unsere Name also vom Ömer gekritzelt. Die Schatten der Vergangenheit.

Ich sagte dem Dennis: Ich werde mal drüber nachdenken und melde mich. In Wirklichkeit habe ich gar nicht drüber nachgedacht. Weil, was soll man schon von einem Trainer halten, der im ersten Telefonat mit dem Vaters eines Kindes, dass er noch nie gesehen hat und auf Empfehlung eines Typen, der dieses Kind auch schon zwei Jahre nicht mehr gesehen hat, rumtönt, er würde erst mal fünf Kinder rauswerfen. Was soll man von einem Trainer halten, der hinter dem Rücken eines Trainerkollegen Eltern direkt anruft.

Eben. Genau das.

Plus: wir möchten immer noch nicht mit Druck Fußball spielen. Unsere Mannschaft ist immer noch klasse. Es gibt also gar keinen Grund derzeit zu wechseln. (Ausserdem wusste ich ja, wer da noch alles so zur Sichtung geht. Und mit denen möchte ich gar nicht wieder in einer Mannschaft sein.)

Das habe ich dem Dennis dann mitgeteilt. Nicht das in Klammern, das davor.

Anschliessend habe ich unseren Trainer informiert, dass mich ein Herr von einem konkurrierenden Verein angerufen und zur Sichtung eingeladen hätte. Weil man das so macht, denke ich. Damit hätte die Geschichte dann eigentlich zu den Akten gelegt werden können und ich hätte mich weiter mit den Ankauf absonderlicher Trikots beschäftigen können (Anderlecht, Salzburg oder gar der #effzeh).

Aber jetzt nimmt die Geschichte erst so richtig Fahrt auf. Bis hierhin war nur Intro…

Das Sichtungstraining ist an einem Dienstag. Einen Tag zuvor haben wir ein Spiel gegen Rot-Weiß Essen – die Mannschaft, aus der 5 Spieler rausfliegen.

Einen Tag vor dem Sichtungstraining.

Dann bekomme ich eine WhatsApp von einem Bekannten. Einem Bekannten, der auch zum Sichtungstraining geht. Der Co-Trainer vom alten Verein. “Wann ist denn euer Spiel am Montag?” – “Warum willst du das wissen?” – “Weil ich da hingehen will”.

Nun könnte man meinen, der will da einfach nur mal gucken, will ja nach Rot-Weiß, will vielleicht mal schauen wie die so sind.

Aber: der macht nichts ohne Hintergedanken, hat überall seine Finger drin, vermittelt Kids in Vereine.
Da klingelt die erste Alarmglocke. Der will nach Rot-Weiß, das heisst der hat da schon seine Finger drin, will bei uns gucken, wen er dem neuen Trainer empfehlen kann um sich lieb Kind zu machen.

Er will nämlich auf jeden Fall vom alten Verein weg und MUSS bei dem Sichtungstraining Erfolg haben und will sich bei uns ein paar Antrittsgeschenke besorgen. Call it Paranoia. Aber der Jugendfußball hat mir jegliche Gutgläubigkeit ausgetrieben.

Dann kommt eine WhatsApp wie aus einem japanischen Horrorfilm. So zum Adern um das Blut rum gefrieren lassen.

“Wie heisst denn euer Torwart? Meine Quellen sagen, er wäre der beste in Essen.”

Und – richtig geraten: Rot-Weiß Essen sucht auch einen Torwart.

Und jetzt klingelt die Glocke mal so richtig Alarm. So wie in dem einen Depeche Mode Video.

Martin L. Gore. Im Muscle-Shirt. Wie er an dem Seil reisst…

People Are People.

Are Assholes.

Ich informiere unseren Trainer über meine Bedenken. Und jetzt läuft die Maschine heiss. Unser Spiel steht kurz vor der Absage. Diverse Leute telefonieren mit diversen anderen Leuten. Bis es die Zusage gibt, nein, das Spiel ist kein Vorspielen unserer Kids für RWE, keine Salatbar mit Alles Inklusive Tarif.

Wir spielen uns Spiel gegen RWE. Es geht 4:4 aus, wobei wir spielerisch klar besser sind. Dennis ist auch da. Am nächsten Tag meldet sich RWE, dass sie sich für drei Kinder von uns interessieren.
Soviel mal zu meinen prophetischen Fähigkeiten.

Sie interessieren sich auch für unseren Torwart. Das der vor drei Monaten schon mal bei ihnen zum Probetraining war, da aber von ihnen abgelehnt wurde… so viel mal zu den prophetischen Fähigkeiten der Leute bei RWE…

Aber irgendwie hat die Geschichte dann doch noch ein Happy End. Rot-Weiß Essen verfolgt nämlich, wie sich herausstellt ein ungleich weniger disruptives Modell, als viele der umliegenden Möchtegernvereine. Sie schauen sich an, ob die Trainingsbedingungen in den jeweiligen Vereinen stimmen, d.h. ob die Voraussetzungen gegeben sind, dass die für sie interessanten Jungs sich auch weiter gut entwickeln, und lassend die Kids vorerst in ihrer gewohnten Umgebung. In ihrem Team.

Einzige Bedingung: sie sollen bloss nicht nach Duisburg, Oberhausen oder Wattenscheid gehen. Schalke wäre aber okay.

Und hier könnte die Geschichte dann wirklich zu Ende sein.

Aber zwei Tage später bekomme ich eine WhatsApp vom Ömer. Er hätte mir doch nur einen Gefallen tun wollen und warum ich denn gesagt hätte, dass ich bedrängt worden wären.

Mit den Worten meiner unglaublich weisen Frau schrieb ich dann: „Lieber Ömer. Vielen Dank, dass du an uns gedacht hast, aber wir kommen ganz gut alleine klar. Und von Trainern, die hinter dem Rücken ihrer Kollegen Spielern nachstellen halte ich nicht all zu viel. Damit habe ich in den letzten Jahren schon zu viele schlechte Erfahrungen gemacht.”

Dennis hat vom Verein einen Einlauf bekommen und sich dann in Ömers kuscheliger Bauchfalte ausgeheult.
Und das macht ihn dann doch auch irgendwie wieder menschlich…

Die Sonnenblumen von Gennaro Gattuso

Kurz mal, weil es mich eben gerade so hochgekocht hat.

Ja, taktische und auch untaktische Fouls – in diesem Zusammenhang auch mal die Frage in die Runde, wie genau denn unindividuelle Fehler aussehen – gehören zum Fußball dazu.

Ich gestehe es auch einem leitenden Angestellten eines eher mittelmässig erfolgreichen Wirtschaftsunternehmens gerne zu, seinen Angestellten doch den Einsatz unlauterer, aber gemeinhin akzeptierter, Komponenten ihres täglichen Tuns nahezulegen.

Sprich: Ich verstehe es durchaus, dass man einem Herrn Boateng ankreidet, dass er nicht einfach mal einen gegnerischen Angriff mit einem sogenannten “taktischen Foul” unterbunden hat.

Man könnte nun einwenden, warum Schalke 04 denn nicht Spieler geholt hat, die so eine Situation mit fußballerischen Mittel lösen können.

Dann würde man mich wohl einen hoffnungslosen Fußballromantiker schelten und schimpfen.

Aber dann bin ich halt gerne Romantiker. Von mir aus auch hoffnungslos. Was da in der Bundesliga abgeht ist eh nicht mehr mein Fußball.

Sollte ich mich damit ein deinen Augen, lieber Leser, disqualifiziert haben, brich bitte hier deine Lektüre ab und wir gehen einfach die getrennten Wege getrennter Meinungen.

Die Problem im Jugendfußball wird niemand, der sich mit der Materie einmal ein wenig beschäftigt hat, von der Hand weisen wollen. Kids werden von brüllenden Trainer, brüllenden Eltern auf- und angestachelt.

Ein weiser und ruhiger Mann sagte erst unlängst den weitsichtigen Satz zu mir: “Und dann wundern sie sich, dass sie in der D-Jugend lauter Treter auf dem Platz haben, die sie nicht mehr kontrollieren können”.

Müssen solche Kinder nun auch noch aus der Zeitung, dem Fernsehen, dem was auch immer hören, wenn gefordert wird, dass ein in einer Spielsituation unterlegener Spieler – Boateng hat den Zweikampf verloren, weil er nicht spielintelligent und einsatzbereit genug war – die Situation durch einen unfairen Einsatz zu seinen Gunsten wendet.

Ist die Antwort “ja”? Weil es zum Spiel dazu gehört? Ist ja eine Kontaktsportart. Ist die Antwort “nein”?

Oder ist es gar die Aufgabe der Trainer, Eltern, Betreuer, den Kids das zu erklären? Oder haben wir einfach so schon genug damit zu tun, den Kinder “das Spiel zurück zu geben”, wie es so schön heisst?

Fouls gehören zum Fußball dazu. Gehört es aber auch dazu, wenn U10 Mannschaften 1x die Woche im Training “Trikot ziehen” üben..!?

Gehört denn dann Platzsturm und gegnerischen Fans überfallen auch zum Fansein dazu..!?

Vielleicht ist Fußball wirklich nicht mehr mein Sport.

Und noch ein weiterer Aspekt.

Wenn sie bis hierhin gekommen sind, herzlichen Glückwunsch.

Ein weiterer Aspekt: in der Jugend, gerade in den jüngeren Jahrgängen (U7 – U10) haben oftmals physisch starke Spieler einen Vorteil. Sie wirken nach aussen besser, weil sie rennen und kämpfen bis zum Umfallen, auch wenn sie fußballerisch eher limitierte Spieler sind.

Jeder kennt doch den etwas pummeligen Julian, der aber jedes Spiel entscheidet, weil er einfach von der Mittellinie draufhaut.

Ist es ein abwegiger Gedanke, dass technisch versiertere Spieler durch die Kraftbolzen, gerade in jungem Alter verdrängt werden..!?

Oder ist das schon die natürliche Auslese und die Techniker die durchkommen sind dann schon durch das ”Stahlbad von Karnap” gegangen..!?

Bekommen wir nur so feine Techniker, die auch gegen eine Uli Borowka bestehen können..!?

Und bitte nicht falsch verstehen, ich möchte nicht, dass die Kids sich auf dem Platz an den Händen halten und wie die Schmetterling über eine Sommerwiese hüpfen. Ich denke nur, es sollte irgendwo einen Platz geben zwischen Blümchenpflücken und Battle Royale. An diesem Platz möchte ich gerne Fußball schauen. Mehr nicht.

Vielleicht ist es auch einfach so, dass ich jederzeit 11 Höwedes für einen Özil eintauschen würden. Vielleicht ist es das…

Des Satans jüngste Tochter

ankst

Lasst uns doch mal über Angst sprechen.

Also jetzt nicht diese große, die existentielle Angst, die über uns allen herumwabert und uns in lauschigen Nächten besucht. Tod, Armut und diese ständig nagende Furcht niemals alle Folgen, sämtlicher Stargate Ableger auf DVD zu besitzen.

Soll ja auch nicht zu grüblerisch werden hier.

Reden wir über Angst im Fußball und da springt ja sicherlich sogleich ein gewitzter Wortakrobat hinter der Eckfahne hervor, der die Mär vom Angstgegner ins Spiel zu bringen gedenkt. Aber, mal ganz ehrlich, in unserer mittlerweile vierjährigen Zugehörigkeit zum Juniorenfußball-Wanderzirkus ist uns eigentlich nie ein Gegner begegnete, der der zusätzlichen Überhöhung durch die Komponente “Angst” bedurft hätte.

Es gibt sicherlich Rivalen, wie dieser Verein aus Mülheim, den wir irgendwie noch nie besiegen konnten (und von dem man berichtet, dass der Trainer die Eltern immer erst fragen muss, ob an einem Termin ein Golf- oder Hockeyturnier ist, bevor er da ein Turnier oder Freundschaftsspiel annehmen kann).

Es gibt auch unangenehme Gegner. Oder schlicht doofe Gegner, wo der Trainer vor dem Spiel rumfaselt, dass er sich die Spieler ja aussuchen könne und er die schlechten dann halt wegschickt – und man seiner Mannschaft dann vor der sich füllende Kulisse eines Regionalliga-Stadions ein in seinen Augen inakzeptables Unentschieden abringt.

Aber Angst? Hmm…

Angst hatten wir in unserer letzten Saison beim alten Verein. Angst hatten wir eigentlich alle, Vater, Mutter und Sohn. Angst hatten wir alle und immer. Auf der Fahrt zum Training, weil wir ja zu spät kommen könnten (was Strafe kostet). Im Training, im Spiel, weil jeder Fehler direkt zu Kritik führte und das in einer Art und Weise, der man das Keyword “kindgerecht” guten Gewissens verweigern würde. Angst davor, ein Training, ein Spiel zu verpassen, weil man dann beim nächsten Spiel aus der Startaufstellung fliegen könnte. Angst davor, dass der Sohn im Spiel nicht “performt”, weil es, ausser für des Trainers Liebling, keine zweite Chance gibt. Angst vor jedem neuen Kind im Training, weil es ein potentieller Konkurrent ist. Und am Ende auch Angst wem man überhaupt noch etwas erzählen kann, weil jedes falsche Wort hintenrum, mit der Einschlagskraft von mindestens drei mal Hiroshima, wieder auf einen zurückfallen konnte. In unserer kleinen Welt…

Das ging so weit, dass der Trainer einem Elternpaar, welches noch Kontakt zu einer ehemals unserer Mannschaft angehörenden Dame und ihrem Sohn pflegte, nahe legte, diesen Kontakt umgehend abzubrechen. Weil ihr Sohn sonst ”die Konsequenzen spüren” würde.

So weit ging das…

In unserer kleinen Welt.

Es gibt Menschen, mit denen ich bis heute nur telefonisch verkehren kann, niemals per Email, SMS oder WhatsApp. Damit es ja nichts schriftliches gibt, was irgend etwas beweisen können würde.

Da war Angst. Auf diesem Kunstrasen da, in diesem Vorort da.

Aber da sind wir ja weg. Und die Angst, die haben wir da gelassen. Natürlich darf Fußball auch mal anstrengend sein, darf nerven. Man darf das alles blöd finden, traurig sein. Aufgeregt sein. Aber in dem Alter darf es auch gerne noch Spass machen.

Und im Moment passt es zum Glück.

Und dann war die Angst auf einmal doch wieder da. Sie hatte in Viersen gelauert. Auf einem Turnier. Und ich musste sogar Eintritt dafür bezahlen. Die Angst nahm neben mir auf der Tribüne Platz und machte es sich bequem. Aber wir hatten ja auch schon die Nacht zuvor im Bettchen gekuschelt, also waren wir schon auf du und du.

Wir spielten bei diesem Turnier gegen Anderlecht und den HSV. Aber die kochen ja auch nur mit Wasser. Zumindest der HSV. Everton war da, Inter Mailand und Schalke und Dortmund. Aber das verursachte höchstens so eine Art nervöses Kribbeln, eine Aufgeregtheit. Mal gegen solche Mannschaften zu spielen.

Es war aber unser allererstes Spiel an diesem Tag, was mich meinen Nachtschlaf und den Rest meiner sowie kaum nennenswerten Ruhe bei Fußballspiele brachte.

Es war das erste Spiel gegen den alten Verein. Nach 14 Monaten. Das erste mal wieder auf die alten Eltern treffen, den Arschlochtrainer und die Kids, die ich zwei Jahre als Betreuer betreut hatte.

Und ich hatte Angst. Angst wie ein kleines Kind, dass alleine im dunklen Wald aufwacht. Ich hatte motherfucking Angst…

Und dann war es vorbei. Wir spielten schlecht. Wir spielten richtig schlecht. Und haben 1:3 verloren.

Es hätte auch ganz anders laufen können. Das Potential für die grossen, hollywoodreifen Emotionen war durchaus vorhanden. Das erste Wiedersehen. Der Sohn sogar noch als Kapitän. Schiesst in der letzten Sekunde das entscheidende Tor. Aber, nee…

Wir waren schlecht.

Aber die Angst war weg.

Die alten Eltern waren freundlich, die alten Kids abgeklatscht. Sogar den Arschlochtrainer begrüsst. Gut, er wollte sich wortlos an mir vorbeischleichen, aber ich habe ihm dann einfach mal die Hand hingehalten und nach dem Weg zum nächsten FKK-Bad gefragt. Es war sehr heiss an dem Tag…

Aber die Angst war weg. Einen Pflock durchs Herz gerammt, den Kopf abgetrennt, verbrannt und die Asche in Salzwasser versenkt.

Das ich mich ab sofort freuen würde, auf die alte Mannschaft zu treffen, so weit würde ich nicht gehen. Aber es ist mir höchstens noch leicht bis mittel unangenehm.

Und damit könnte jetzt hier gut gerne Schluss sein. Aber dann geschah noch etwas, was den Tag für mich für immer legendär machen wird.

Wir waren also, wie bereits erwähnt, schlecht. Oder sagen wir: unerfahren. Drei Spiele durch einen Gegentreffer in den letzten 30 Sekunden aus der Hand gegeben. Aber so ist das halt als Dorfverein, der seine ersten Schritte auf internationalem Parkett macht. Auch nicht anders, als wenn Giraffen in Südafrika auf einem LKW mitfahren.

Am Ende war für uns nur ein fünfter Platz in der Gruppenphase drin und somit der Weg in die Finalrunde versperrt. Aber als bester Fünfter gab es immerhin noch ein Platzierungsspiel um Platz irgendwasundzwanzig gegen den KFC Uerdingen.

Und wie wir so Aufstellung nehmen, auf dem Platz, sehe ich aus den Augenwinkeln die Kids der alten Mannschaft auf der Tribüne sitzen. Die waren nämlich im Gegensatz zu uns in die Finalrunde gekommen und hatten jetzt einige Minuten Pause.

Dann pfeift der Schiri an und irgendwie denke ich, ich höre nicht richtig. Irgendwer ruft den Namen vom Sohn. Irgendwer und noch irgendwer. Und dann noch irgendwer. Und dann drehe ich mich um und sehe unsere komplette alte Mannschaft, wie sie den Sohn und sein neues Team anfeuern und immer wieder seinen Vor- und Nachnamen skandieren. 10 Minuten lang. Wie sie mit uns jubeln und sich über unsere Tore freuen.

Was für ein Gänsehautmoment.

Sogar jetzt noch.

Und auch ein Zeichen dafür, dass an all dem Stress, an all diesem Scheiss, den man so an Fussballplätzen erlebt, doch meistens die Erwachsenen Schuld sind.

(Als Strafe dafür, dass der Grotifant nicht dabei war, haben wir Uerdingen natürlich besiegt. Ehrensache.)